Was ist Gewalt und welche Formen gibt es?

Unter dem Begriff Gewalt ist der körperlich oder auch psychisch wirkende Zwang zu verstehen, der durch Kraft oder ein sonstiges Verhalten entsteht. Ziel ist es, die freie Willensbildung und -betätigung der anderen Person unmöglich zu machen oder zumindest zu beeinträchtigen.

Gewalt Definition des BGH

Eine juristische Definition liefert die Rechtsprechung des BGH, die Gewalt wie folgt definiert: „körperlich wirkender Zwang durch die Entfaltung von Kraft oder durch sonstige physische Einwirkung, die nach ihrer Intensität dazu geeignet ist, die freie Willensentschließung oder Willensbetätigung eines anderen zu beeinträchtigen“ (BGH NJW 1995, 2643).

Gewaltformen im Strafrecht

Gewalt (© doidam10 / Fotolia.com)
Gewalt (© doidam10 / Fotolia.com)

Bei Definition im Strafrecht wird zwischen zwei Formen von Gewalt unterschieden:

Zum einen vis compulsiva, die auch als willensbeugende oder die beugende Gewalt definiert wird und die vor allem durch psychische Einwirkung (z.B. Nötigung) hervorgerufen wird. Der Täter will bei dem Opfer einen bestimmten Willensentschluss hervorrufen.

Zum anderen gibt es die „vis absoluta“, die absolute bzw. überwältigende Gewalt. Diese Form der Gewalt wird laut Definition vor allem körperlich / physisch verursacht (z.B. durch Körperverletzung, Vergewaltigung) und bei der die Willensbildung des Opfers komplett unterbunden wird oder aber ein Willen gebildet wird, dieser jedoch nicht betätigt werden kann. Dies kann durch Betäuben des Opfers (Unterbinden des Willens) ebenso geschehen wie durch Einsperren von Menschen (Wille kann nicht betätigt werden).

Arten der Gewalt

Gewalt kann demzufolge unterschiedliche Formen annehmen, dazu zählen vor allem folgende Arten:

Körperliche / physische Gewalt

Die körperliche Gewalt wird auch physische Gewalt genannt. Diese Form meint ein nach aussen gerichtetes, aggressives Verhalten, welches die Schädigung und/oder Verletzung eines anderen zur Folge hat. Bei dieser Form wird also körperliche Gewalt angewandt, um einen anderen Menschen zu verletzen oder sogar zu töten.

Beispiele

  • Schubsen
  • Treten und Schlagen
  • Ohrfeigen
  • Anspucken
  • Festhalten
  • Einsperren / Aussperren
  • Würgen
  • „Happy Slapping“

JuraForum.de-Tipp: „Happy Slapping“ ist eine neuere Form von körperlicher Gewalt. Darunter versteht man einen Angriff auf einen Mitschüler, einen Lehrer oder auf eine unbekannte Person, wobei andere Mittäter das Geschehen noch mit dem Handy oder einer Videokamera aufnehmen. Das Opfer wird hierbei teilweise bis zur Bewusstlosigkeit verprügelt oder gar vergewaltigt. Die Angreifer flüchten dann und lassen das Opfer einfach liegen. 

Psychische / seelische

Die psychische/seelische Gewalt wird in der Regel verbal ausgeübt. Der Täter setzt dabei das Opfer psychisch massiv unter Druck, indem es das Opfer bedroht und/oder beleidigt.

Zur psychischen Gewalt zählen auch Stalking, Mobbing und Diskriminierungen.JuraForum.de-Tipp:Psychische Gewalt ist im Gegensatz zur körperlichen Gewalt schwerer zu erkennen und in der Regel auch schwerer nachzuweisen. Im Übrigen können psychische Gewalt und körperliche Gewalt nebeneinander einhergehen und somit gemeinsam ausgeübt werden.

Beispiele

  • Arbeitgeber mobbt den Angestellten
  • Arbeitgeber oder andere Arbeitskollegen diskriminieren einen dunkelhäutigen Angestellten
  • Angestellte mobben einen anderen Angestellten
  • A bedroht B mit den Worten „Wenn du mir keine 20 Euro gibst, wirst du schon sehen!Ich weiß wo du wohnst“
  • X spioniert rund um die Uhr seine Ex-Freundin und stalkt sie täglich
  • beleidigen, beschimpfen, ständiges kritisieren, demütigen

Sexuelle bzw. sexualisierte

Sexuelle bzw. sexualisierte Gewalt ist in der Regel ein Mix aus psychischer und körperlicher Gewalt. Darunter versteht man alle sexuellen Handlungen, die einer anderen Person aufgezwungen werden. Die Handlung ist also aus Sicht des Opfers unerwünscht. Dazu zählen vor allem Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, sexueller Missbrauch und sexuelle Belästigung.

Die Opfer von sexueller Gewalt sind in der Regel nach der Tat sehr traumatisiert und leiden Jahre bzw. jahrzehntelang unter den Taten. Aus Scham und auch aus Angst vor dem Täter trauen sich viele nicht, die Tat anzuzeigen und Hilfe in Anspruch zu nehmen. 

Beispiele

  • A führt gegen den Willen der B den vaginalen Geschlechtsverkehr an ihr aus (Vergewaltigung)
  • A führt gegen den Willen der B eine sexuelle Praktik an ihr aus, die sie nicht will. Grundsätzlichen Geschlechtsverkehr will sie mit A, jedoch nicht diese Praktik (zählt im Ergebnis als Vergewaltigung)
  • A zwingt C, ihm einen runterzuholen
  • A streichelt in der Bahn über den Po von D
  • A fasst den Busen der X an, gegen ihren Willen
  • A küsst in der Diskothek S gegen ihren Willen
  • A sagt zu seiner Arbeitskollegin S ständig, dass sie „einen geilen Arsch hat“. Sie sagt ihm, dass er aufhören soll, dennoch wiederholt er dies.
  • A sagt zu seiner Nachbarin N, dass er sie „scharf“ findet und mit ihr schlafen möchte.

Soziale Gewalt

Es gibt auch die soziale Gewalt als Form der Gewalt. Hierzu gehören Fälle wie

  • Kontrolle der sozialen Kontakte der anderen Person
  • Isolation eines anderen
  • man vergrault die Freunde/Verwandte/Bekannte von einem anderen
  • Kontaktverbote
  • Aussperren/ Einsperren

Ökonomische

Sodann gibt es auch die ökonomische Gewalt, was die meisten Menschen so an sich nicht kennen, zumindest nicht vom Wortlaut her. Hierzu gehören folgende Fälle:

  • man kontrolliert die Finanzen des Anderen
  • man nimmt dem Anderen Geld weg bzw. teilt es zu
  • man verweigert dem Anderen den Zugang zu seinem Konto
  • man lässt die andere Person nicht arbeiten

Häusliche

Eine weitere Form ist schließlich die häusliche Gewalt, die alle diese vorgenannten Formen annehmen und beinhalten kann.

Androhung von Gewalt

Die Androhung von Gewalt ist ebenfalls eine Form von Gewalt und kommt in der Praxis sehr häufig vor.

Die Androhung von Gewalt meint das Inaussichtstellen eines zukünftigen Übels, auf dessen Eintritt der Drohende Einfluss hat oder zu haben vorgibt. Das Opfer denkt also, dass der Täter die angedrohte Gewalt anwenden wird.JuraForum.de-Tipp: Die Androhung von Gewalt stellt in der Regel eine Nötigung nach § 240 StGB dar.

Wann ist Gewaltanwendung erlaubt?

Zivilrecht als auch Strafrecht sehen ein Gewaltverbot vor.

Es gibt jedoch wenige Ausnahmen, in denen die Gewaltanwendung als legitim angesehen wird. Dazu gehören:

  • Notwehr
  • und Notstand zur Verteidigung eigener Rechtsgüter
  • sowie der unmittelbare Zwang von Vollzugskräften, der auch als Gewaltmonopol des Staates bezeichnet wird.
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Psychische Gewalt – Definition, Beispiele und Folgen im Strafrecht

Anders als beiphysischer Gewalt, sind die Verletzungen durch psychische Gewalt nicht sichtbar. Es werden keine körperlichen Spuren hinterlassen, dafür leidet die Seele des Betroffenen umso mehr. Wer über längere Zeit beleidigt, erniedrigt, bedroht oder auch gedemütigt wird, ist Opfer seelischer Gewalt.

Das Umfeldbekommt davon meist gar nichts mit, der Betroffene leidet jedoch umso mehr. Auch körperliche Auswirkungen sind keine Seltenheit, von Panikattacken bis zur Schlaflosigkeit.  Opfer dieser Art von Gewalt sind in vielen Fällen Frauen, aber auch Männer können in einer von seelischer Gewalt dominierten Beziehung gefangen sein.

Was ist psychische Gewalt?

Psychische Gewalt ist eine Form von Gewalt, die ohne Schläge auskommt. Psychische Gewalt kann in verschiedenen Facetten und mittels unterschiedlicher Verhaltensweisen und Strategien verübt werden. Ziel ist es dabei in der Regel immer, die andere Person zu schwächen, sie aus dem Gleichgewicht zu bringen und zu verunsichern. Opfer psychischer Gewalt beginnen, ihr Selbstbild zu ändern und das Vertrauen zu verlieren, sowohl in sich selbst, als auch in andere Personen.

Gezielt ausgeübte psychische Gewalt ist dabei zu unterscheiden von der kurzfristigen Abreaktion von Frustration. So kann es in jedem Streit vorkommen, dass Worte fallen, die im Eifer des Gefechts und aufgrund eines aufgewühlten Gefühlslebens ausgesprochen werden. Mit psychischer Gewalt geht es jedoch nicht darum, sich kurzfristig „Luft zu machen“, sondern der Täter verfolgt dabei meist folgende Hauptziele:

  • Macht
  • Kontrolle
  • Dominanz
  • Privilegien

Psychische Gewalthandlungen können sehr unterschiedlich sein. Dazu können u.a. gehören:

  • Isolation des Opfers

z.B. Kontaktverbot zur Familie und zu Freunden, Telefonverbot, Verbot, das Haus zu verlassen. Ziel ist es, den Betroffenen immer mehr zu isolieren und so in ihm das Gefühl aufkommen zu lassen, einsam zu sein.

  • Beschimpfungen und Abwertungen

Ziel ist es, das Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein des Opfers zu zerstören, die geistige Gesundheit leidet, der Betroffene beginnt, am eigenen Wert und an der eigenen Identität zu zweifeln. Auch Diffamierungen in der Öffentlichkeit gehören zu den Ausprägungen der psychischen Gewalt.

  • Drohungen und Nötigungen

Dem Opfer soll Angst gemacht werden. Die Drohungen müssen sich nicht unbedingt gegen das Opfer selbst richten, sondern können auch gegen Dritte gerichtet sein, etwa die Familie des Betroffenen. Psychische Gewalt kann derart einschüchternd sein, dass der Täter keinerlei physische Gewalt mehr anwenden muss, um seine Ziele zu erreichen.

  • Belästigungen

Der Täter kann das Opfer einem regelrechten Terror aussetzen, es mit Anrufen und Drohbriefen belästigen und es verfolgen. Stalking kann zu einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität führen.

Seelische Gewalt in der Ehe

Seelische Gewalt in der Ehe nachzuweisen, ist schwieriger, als es bei häuslicher Gewalt der Fall ist, da keine sichtbaren Spuren hinterlassen werden. Betroffene sollten Beweise sammeln, etwa SMS, Nachrichten auf dem Anrufbeantworter oder  E-Mails und bestenfalls auch Zeugen nennen können, die Vorfälle der Demütigung und anderer  Formen der psychischen Gewalt mitbekommen haben.

Unter Umständen kann dann von einem sogenannten Härtefall ausgegangen werden, der eine schnellere Scheidung ermöglicht. Das sonst übliche Trennungsjahr muss dann nicht eingehalten werden. Sind Kinder aus der Ehe hervorgegangen, die die psychischen Misshandlungen des einen Elternteils miterleben müssen, kann dies auch als Argument vorgeführt werden, von einem Härtefall auszugehen.

Psychische Gewalt gegen Männer / durch Frauen

In vielen Fällen sind Frauen Opfer seelischer Gewalt, sie können aber durchaus auch Täterinnen sein. Anders als bei physischer Gewalt, ist hier keine körperliche Überlegenheit erforderlich. Das Problem bei psychischer Gewalt gegen Männer ist, dass Männer das gesellschaftliche Wertungssystem vor Augen haben. Männer werden als stark angesehen und die Betroffenen haben ein zu großes Schamgefühl, sich Hilfe zu holen und so öffentlich zuzugeben, dass sie durch ihre Partnerin regelmäßig gedemütigt werden. Die Hemmschwelle bei Männern, öffentlich zuzugeben, dass sie unter psychischer Gewalt leiden, ist somit ungleich höher als bei Frauen.

Kinder

Auch Kinder können Opfer psychischer Gewalt sein. Dies äußert sich dann beispielsweise innerhalb der Familie in Ablehnung durch die Eltern, in Liebesentzug oder in dem Erzeugen von Schuldgefühlen. Psychische Gewalt gegenüber Kindern kann aber auch in der Schule oder im sozialen Umfeld des Kindes vorkommen. Hier äußert es sich meist als Mobbing. Auch soziale Netzwerke bieten eine Plattform, um Gleichaltrige öffentlich zu demütigen und zu diffamieren.

Ist psychische Gewalt strafbar?

Psychische Gewalt (© doidam10 - Fotolia.com )
Psychische Gewalt (© doidam10 – Fotolia.com )

Da psychische Gewalt in vielen Facetten ausgeübt werden kann, können die verschiedensten Straftatbestände verwirklicht werden. In Frage kommen kann beispielsweise eine Strafbarkeit nach:

Weiterhin gibt es das sogenannte Gewaltschutzgesetz, durch das auch die psychische Gewalt erfasst wird. Betroffenen stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung um sich gegen häusliche Gewalt zu schützen und weiterhin die eigene Wohnung zu nutzen, ohne sie jedoch mit dem gewaltbereiten Partner teilen zu müssen. So kann ein Antrag auf Näherungsverbot gestellt werden, auch ein Kontaktverbot kann ausgesprochen werden. Weiterhin kann der Betroffene einen Antrag auf Zuweisung der Wohnung stellen, ebenso wie einen Antrag auf eine vorzeitige Scheidung, wenn ein Härtefall vorliegt.

Wie kann man als Opfer psychische Gewalt nachweisen?

Da keine körperlichen Spuren hinterlassen werden, sollten Opfer psychischer Gewalt Beweise sammeln. Dazu gehören Text- und Sprachnachrichten, die vom Täter geschickt wurden. Auch kann es helfen, ein Tagebuch zu führen, in dem verbale Übergriffe oder auch Nachstellungen festgehalten werden. Hilfreich sind auch immer Zeugen, die selbst eine der Demütigungen mitbekommen haben.

Täter anzeigen

Betroffene können sich an entsprechende Beratungsstellen wenden, die sich auf Opfer von Gewalt spezialisiert haben und die Auswege aufzeigen und Hilfestellung leisten. Frauen haben die Möglichkeit, in akuten Notsituationen auch ein Frauenhaus aufzusuchen.

Weiterhin besteht die Möglichkeit, die Straftat bei der Polizei anzuzeigen. Eine Strafanzeige kann bei jeder Polizeidienststelle erstattet werden. Wird zivilrechtlicher Schutz gewünscht, können sich Betroffene an das Familiengericht wenden und eine Schutzanordnung nach dem Gewaltschutzgesetz beantragen.

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Häusliche Gewalt

Der Begriff „häusliche Gewalt“ kennzeichnet körperliche oder seelische Gewalt zwischen Personen, die gemeinsam in einem Haushalt wohnen.

Der Begriff kennzeichnet jedoch nicht ausschließlich Gewalt in Partnerschaften, sondern auch ganz allgemein Gewalttaten zwischen Personen, die gemeinsam unter einem Dach zusammenleben. Dazu gehören beispielsweise auch Gewalttaten zwischen Stiefeltern und Stiefkindern oder Geschwistern.

Wer sind die Täter?
Im Rahmen polizeilicher Statistiken zeigt sich zwar, dass häusliche Gewalt größtenteils von Männern gegenüber weiblichen Partnerinnen ausgeübt wird. Diese Statistiken geben jedoch ein unscharfes Bild der Wirklichkeit wieder. Sie beruhen nur auf polizeilich bekanntgewordenen Fällen. Da Männer sich jedoch viel seltener als Frauen trauen, bei der Polizei Anzeige zu erstatten (man geht von einem Verhältnis von 1:9 aus), ist diese Statistik wenig aussagekräftig.
Sogenannte Dunkelfeldstudien, also anonyme Befragungen von Betroffenen, legen daher eher den Schluss nahe, dass Gewalthandlungen zwischen den Geschlechtern in etwa gleich verteilt sind.
Grundsätzlich zeigt häusliche Gewalt vielfältige Erscheinungsformen. Sie reicht von psychischer Gewalt in Form von Demütigungen, Beleidigungen oder Bespitzelung, über sexuelle Gewalt (z.B. sexuelle Nötigung oder Vergewaltigung) bis hin zu körperlicher Gewalt durch tätliche Angriffe.

Gewaltschutzgesetz (GewSchG)
Um häusliche Gewalt besser bekämpfen zu können, wurde im Jahr 2002 das Gewaltschutzgesetz verabschiedet. Dieses neue Gesetz soll Opfer von Gewalt im häuslichen Umfeld besser schützen. Mit dem Gewaltschutzgesetz sollte der unklaren Rechtslage im Zusammenhang mit, im privaten Umfeld ereigneten, Gewalttaten wie häuslicher Gewalt, Stalking oder Belästigung begegnet werden. Das Gewaltschutzgesetz ermöglicht Gewaltopfern einen höheren Schutz vor den Täterinnen und Tätern. So kann beispielsweise ein Familiengericht dem Täter/der Täterin das Betreten der gemeinschaftlichen Wohnung bis zu einem halben Jahr untersagen und in bestimmten Fällen auch die Kontaktaufnahme per Mail, Brief oder Telefon verbieten. Dadurch müssen Gewaltopfer nun nicht mehr in Frauenhäuser oder ähnliche Einrichtungen vor dem Täter fliehen, sondern können in ihrem persönlichen Umfeld verbleiben.

Quelle: https://www.juraforum.de/

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Belästigung – Definition, Bedeutung und Strafbarkeit von sexuellen Belästigungen

Die Belästigung sexueller Art in Form von Grapschen an Intimbereiche ist nun ein Straftatbestand gemäß § 184i StGB.

Eine sexuelle Belästigung wurde früher allerdings versucht, über den Straftatbestand der Beleidigung aus § 185 StGB zu ahnden.

Eine allgemeine Belästigung ist und war hingegen in der Regel eine Ordnungswidrigkeit, die gem. § 118 OWiG geahndet wird.

Belästigung der Allgemeinheit gem. § 118 OWiG

Eine Belästigung der Allgemeinheit gem. § 118 OWiG (alte Bezeichnung: grober Unfug) ist nach deutschem Recht eine Handlung, die geeignet ist, die öffentliche Ordnung unmittelbar zu stören oder zu beeinträchtigen, wodurch die Öffentlichkeit belästigt wird.

§ 118 OWiG greift jedoch gem. der Subsidiaritätsklausel in Absatz 2 nur dann, wenn das Verhalten nicht bereits von anderen Ordnungswidrigkeitstatbeständen erfasst wird. Es handelt sich bei § 118 OWiG also um einen Auffangtatbestand.

Folgende Verhaltensweisen wurden bereits von deutschen Gerichten als Belästigung der Allgemeinheit bzw. als groben Unfug betrachtet:

  • Das Bespritzen von Passanten durch zu schnelles Fahren mit dem Auto durch eine Pfütze.
    [so das Bayerische Oberste Landesgericht; vgl. BayObLGSt 26, 111.]
     
  • Der Hilferuf „Feuer!“, ohne das eine Gefahr vorliegt.
    [so das Reichsgericht; vgl. RGSt 19, 256.]
     
  • Ein scherzhafter Hinweis bei einer Flugkontrolle, man habe eine vermeintliche Bombe im Gepäck.
    [so das Kammergericht Berlin; vgl. NStZ 1987, 467.]
     
  • Eine unwahre Presseveröffentlichung, die in der Lage ist, zu einer Beunruhigung der Öffentlichkeit zu führen.
    [so das Reichsgericht; vgl. RGSt 25, 405.]
     
  • Die Störung eines Gelöbnisses der Bundeswehr.
    [so das Oberlandesgericht Karlsruhe; vgl. NJW 1970, 64.]
     
  • Das unzüchtige Betasten eines anderen.
    [so das Reichsgericht; vgl. 53, 153.]
     
  • Defäkieren auf der Straße

Demgegenüber sind beispielsweise eine Protestveranstaltung auf Friedhöfen oder die Warnung der Verkehrsteilnehmer vor einer polizeilichen Verkehrskontrolle (siehe dazu das Urteil des Bundesverfassungsgerichts mit dem Aktenzeichen „BVerfG 1 BvR 980/13) keine Belästigung der Allgemeinheit.

Sexuelle Belästigung / „Grapsch-Paragraph“

Belästigung durch körperliche Berührungen.  (© Picture-Factory/ Fotolia.com)
Belästigung durch körperliche Berührungen. (© Picture-Factory/ Fotolia.com)

Bei der sexuellen Belästigung handelt es sich um eine besondere Form der Belästigung, die insbesondere auf das körperliche Berühren der betroffenen Person abzielt. Sie ist seit dem 10.11.2016 nach § 184i StGB strafbar. Eine sexuelle Belästigung erfüllte davor in Deutschland allenfalls den Straftatbestand der Beleidigung (§ 185 StGB), weshalb sie stets von dem sexuellen Missbrauch abzugrenzen war.

Eine sexuelle Belästigung umfasst nunmehr per Gesetz alle sexistischen und geschlechtsbezogenen sowie entwürdigende bzw. beschämende Bemerkungen und Handlungen und andere unerwünschte körperliche Annäherungen, auch solche in Verbindung mit einem Versprechen von Belohnung und / oder von Androhung von Strafe.

Es genügt also bereits eine verbale sexuelle Belästigung. Daher können beispielsweise auch zweideutige Witze oder Sprüche bereits den Tatbestand der Beleidigung erfüllen.Gesetzesänderung:
Der Tatbestand der Belästigung nach § 184i StGB ist nun klar erfüllt, wenn zum Beispiel Männer Frauen an den Po oder die Brüste grapschen und diese dies nicht wollen und sich dadurch belästigt fühlen. 

Notwehrrecht

Die Person, die Opfer einer sexuellen Belästigung wird hat zwar in der Regel ein Notwehrrecht. Dieses ist aber nur solange gewährt, bis der Angriff endet. Küsst der Täter das Opfer also beispielsweise auf den Mund oder greift es an den Po und wendet sich sodann ab, so endet mit dem Abwenden auch die Notwehrlage. Eine Ohrfeige oder ähnliches durch das Opfer kann dann eine Körperverletzung gem. § 223 StGB zur Folge haben.

sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz

Der Begriff der sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz wird besonders im § 3 des Allgemeinen Gleichstellungsgesetzes (AGGlegaldefiniert. Danach ist eine sexuelle Belästigung jedes unerwünschte, sexuell bestimmtes Verhalten, wozu auch unerwünschte sexuelle Handlungen und Aufforderungen zu diesen, sexuell bestimmte körperliche Berührungen, Bemerkungen sexuellen Inhalts sowie unerwünschtes Zeigen und sichtbares Anbringen von pornographischen Darstellungen gehören, welches bezweckt oder bewirkt, dass die Würde der betreffenden Person verletzt wird, insbesondere wenn ein von Einschüchterungen, Anfeindungen, Erniedrigungen, Entwürdigungen oder Beleidigungen gekennzeichnetes Umfeld geschaffen wird.

Dem sexuell belästigten Arbeitnehmer steht gem. § 13 AGG ein Beschwerderecht zu. Der Arbeitgeber oder auch der etwaige Vorgesetzte sind dann dazu verpflichtet, die Beschwerde zu prüfen und eine geeignete Maßnahme zu treffen, um zu verhindern, dass sich die festgestellte sexuelle Belästigung wiederholt.

Übersicht der möglichen Maßnahmen:

  • Ermahnung
    – bei einer einmaligen Belästigung durch sexuelle Witze gegen den Willen des Betroffenen.
     
  • Abmahnung
    – bei Streicheln, Piksen oder Hinterherpfeifen.
    – bei einem Sich-In-den-Weg-Stellen mit einer sexuellen Anspielung.
     
  • Ordentliche Kündigung
    – bei einem Einstellungsgespräch in einer Sauna.
    – bei wiederholten Umarmen gegen den Willen.
     
  • Außerordentliche Kündigung
    – bei wiederholtem Erzählen von sexuellen Witzen oder von pornographischen Geschichten, um zu provozieren.
    – bei obszönen Ausfragen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern nach sexuellen Aktivitäten.
    – bei exhibitionistischen Handlungen.

Kommt der Arbeitgeber bzw. der Vorgesetzte der Maßnahmeergreifung nicht oder nur unzureichend nach, so hat der bzw. die Belästigte ein sog. Zurückbehaltungsrecht. Er bzw. sie muss dann nicht arbeiten, hat aber weiterhin einen Anspruch darauf das Arbeitsentgelt zu erhalten.

Quelle: https://www.juraforum.de/lexikon/belaestigung

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Starking und Nachstellung § Infos

Straftatbestand der Nachstellung (§ 238 StGB) soll ausgeweitet werden und digitales Stalking im Netz und über Apps erfassen

Beispiele für Stalking sind:

  • Anrufe oder Nachrichten zu allen Tages- und Nachtzeiten
  • Verfolgen und Auflauern vor der Wohnung oder dem Arbeitsplatz
  • Veranlassen von Dritten, Kontakt zum Opfer aufzunehmen (zum Beispiel durch Erstellung von Fake-Profilen auf Single-Portalen)
  • Warenbestellungen unter dem Namen der Opfer
  • Beleidigungen, Bedrohungen, Nötigungen
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Stalking

Stalking [ˈstɔːkɪŋ] ist das willentliche und wiederholte (beharrliche) Verfolgen oder Belästigen einer Person, deren physische oder psychische Unversehrtheit dadurch unmittelbar, mittelbar oder langfristig bedroht und geschädigt werden kann. Stalking wird im deutschen Strafgesetzbuch als Straftatbestand der Nachstellung geahndet und ist in vielen Staaten Thema kriminologischer und psychologischer Untersuchungen. Der Begriff ist in den 1990er-Jahren im US-amerikanischen und britischen Raum aufgekommen und hat sich im deutschsprachigen Raum vor allem in der Umgangssprache verbreitet.[1]

Es gibt keine einheitliche Definition von Stalking.

Eine erste wissenschaftliche Definition erfolgte durch Zona et al. (1993), die Stalking als „obsessives und unnormal langes Muster von Bedrohung durch Belästigung gegen ein bestimmtes Individuum gerichtet“ bezeichnen.[2] Meloy und Gothard führten 1995 den Begriff „obsessives Verfolgen“ ein, um den psychiatrischen Aspekt hervorzuheben.[3] Damit wurde zudem an die ursprüngliche Bedeutung in der Jagdsprache, die Pirschjagd, angeknüpft.[4]

Pathe und Mullen (1997) sehen im Stalking eine „Verhaltenskonstellation, in der eine Person der anderen wiederholt unerwünschte Kommunikation oder Annäherung erzwingt“. Westrup (1998) nannte als Merkmale von Stalking: „Das Verhalten tritt mehrmals auf und zielt auf eine bestimmbare andere Person, es wird als unerwünscht und grenzverletzend wahrgenommen und kann Angst und Beklemmung auslösen.“[5]

Die offizielle präventivpolizeiliche Definition in Deutschland lautet:

„Das beabsichtigte und wiederholte Verfolgen und Belästigen eines Menschen derart, dass dessen Sicherheit bedroht und er in seiner Lebensgestaltung schwerwiegend beeinträchtigt wird.“

– Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes: Stalking[6]

Cyberstalking oder Cyber-Mobbing bezeichnet die Belästigung und das beharrliche Nachstellen einer Person unter Anwendung und Zuhilfenahme von modernen technischen Hilfsmitteln wie Handy oder Internet.[7]

Herkunft des Wortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das englische Wort to stalk bedeutet in der Jägersprache „jagen, heranpirschen, hetzen, steif gehen, stolzieren“ (aus dem Gälischen stalc oder dem Substantiv stalcaire für „Jäger“, „Falkner“). Daraus abgeleitet: verfolgen; „Stalking“ bedeutet in der deutschen Sprache übertragen „Nachstellen, Verfolgen, Psychoterror“.

Mögliche Stalking-Handlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemäß einer Handreichung zur Beratung des deutschen Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2005)[8] erstrecken sich mögliche Handlungsformen von Stalkern auf:

StandardAußenwirkungStraftaten
Ausfragen des BekanntenkreisesVerleumdungen
(z. B. gegenüber dem Arbeitgeber)
Beleidigungen und Üble Nachrede
Telefonanrufe, SMS, Nachrichten auf dem Anrufbeantworter
Senden von E-Mails zu allen Tages- und Nachtzeiten
Bestellungen von Warensendungen im Namen des OpfersNötigungen und Bedrohungen
„Liebesbezeugungen“ wie Liebesbriefe, Blumen, GeschenkeAnwesenheit sowie das Verfolgen und Auflauern
(z. B. vor der Wohnung, dem Arbeitsplatz, dem Einkaufsort)

Das Spektrum der so genannten Stalking-Verhaltensweisen kann in dramatischen Fällen über körperliche Gewalt bis hin zu Tötung reichen. Die einzelne Handlung ist dabei nicht notwendigerweise kriminell, die Anzahl und die Dauer solcher Handlungen allerdings können zusammen als Stalking betrachtet werden. Der Versuch beispielsweise, die Telefonnummer einer Person zu ermitteln, muss als einzelne Tat nicht notwendigerweise als Störung auffallen, in Kombination mit anderen Handlungen kann solch ein Verhalten aber als Stalking bezeichnet werden. Umgekehrt ist eine Person, die vereinzelt versucht, eine Person zu erreichen, nicht notwendigerweise ein Stalker. Fälschlicherweise werden auch generelle Störenfriede, Nervensägen oder unangenehme Personen als Stalker bezeichnet, obwohl deren Handlungen nicht unbedingt eine Verfolgung darstellen. Bei einem Verbrechen wie Mord oder Überfall ist nicht jeder vorherige Versuch der Kontaktaufnahme ein Anzeichen von Stalking.

Körperliches Attackieren oder die Ausübung von körperlicher Gewalt kommen in jedem fünften Fall vor.[9] Häufig sind es jedoch die eher „leichten“ Stalking-Handlungen, wie etwa das Telefonieren oder das Sich-Aufhalten in der Nähe des Opfers, die den überwiegenden Anteil aller Handlungen ausmachen. Je nach Charakter, Belastbarkeit und Empfindlichkeit des Opfers können aber bereits diese „leichteren“ Formen des Stalkings beim Opfer psychische und physische Reaktionen hervorrufen, die sich mit Dauer des Stalkings steigern und zu KrankheitenBerufsunfähigkeit und zu voller Erwerbsunfähigkeit führen können.

Für obsessive Fans von Stars hat sich in Südkorea und der K-Pop-Szene der Begriff Sasaeng (사생) oder Sasaeng Fan etabliert. Der Begriff bedeutet soviel wie „Privatleben“.[10] Diese Fans dringen in das Privatleben der Idols ein und verletzen deren Privatsphäre, vergleichbar mit Stalkern: Das Aufsuchen der Wohnungen der Stars, das Installieren von Überwachungskameras, die Belästigung ihrer Familienmitglieder, das Aufsuchen privater Familienfeierlichkeiten, das Senden unangebrachter Geschenke.[11][12]

Täter-Opfer-Beziehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie ein Jäger sammelt ein Stalker Informationen über sein Opfer, um es stellen zu können. Dabei sind aber nicht nur die einzelnen, nachstellenden Handlungen des Täters von Bedeutung, sondern im Besonderen das psychologische Verhältnis zwischen Täter und Opfer. Das unterscheidet das Stalking von anderen, die Selbstbestimmung eines Menschen einschränkenden Handlungen, etwa der Nötigung.

Auch wenn jeder Mensch Opfer von Stalking werden kann und sich Opfer und Täter nicht notwendigerweise kennen müssen, sind nach bisherigen Erkenntnissen am häufigsten Personen betroffen, die eine Beziehung oder Ehe mit dem Täter beendet oder einen Beziehungswunsch des Täters zurückgewiesen haben.

Auslöser für die Stalking-Beziehung ist hierbei oft eine narzisstische KränkungNarzisstischer Missbrauch kann dabei sowohl vom Stalker als auch vom Gestalkten ausgehen und verursacht dabei zwei völlig unterschiedliche Stalking-Szenarien:

  • Ist der Stalker ein Narzisst, so fühlt er sich vermutlich durch eine Zurückweisung seiner Ansprüche an das Stalking-Opfer gekränkt und möchte nun durch Zermürbung und Prägung das Opfer zur Erfüllung seiner Ich-bezogenen Bedürfnisse zwingen. (Selbstsucht bedeutet nicht, zu leben wie man es wünscht, sondern von anderen verlangen, dass sie leben, wie man es erwartet. – Oscar Wilde).[13][14][15]


Aber auch Arbeitskollegen und Nachbarn befinden sich häufig unter den Opfern.

Des Weiteren können Angehörige von Berufsgruppen mit Kundenverkehr, Patienten oder Klienten Opfer eines Stalkers werden, wenn dieser sich selbst als Opfer einer Beratung, einer Behandlung, eines Rechtsstreites oder ähnlichem sieht. In einigen Fällen werden aber auch Patienten oder Klienten Stalking-Opfer eines Angehörigen der betreuenden Berufsgruppe; beispielsweise aus Liebes-Wahn. Das zugrunde liegende Abhängigkeits- und Vertrauens-Verhältnis wirkt sich hierbei besonders fatal aus. Des Weiteren können auch Konkurrenten in einer speziellen Sparte oder Rivalen, die eine Niederlage nicht verkraften, zu Stalkern werden. Auch wenn das Phänomen des Stalkings bei Prominenten zuerst aufgefallen ist, so scheinen diese nicht die Mehrheit der Opfer auszumachen.

In einigen Fällen ist dem Opfer der Täter aber nicht bekannt und gehört nicht zum näheren persönlichen, beruflichen oder wohnlichen Umfeld. In manchen Fällen spielt das Phänomen der Übertragung eine Rolle, wenn ein Täter für erlittene seelische oder körperliche Verletzungen ein Opfer stellvertretend büßen lässt, weil es bestimmte Merkmale aufweist, die für ihn im Bezug zum eigenen Schicksal stehen. Ein Teil der Täter weist erhebliche psychische Erkrankungen auf, wobei das Stalken selbst kein anerkanntes Krankheitsbild ist, aber als Sucht (gemäß der Definition der Weltgesundheitsorganisation) eine „seelische Behinderung“ sein kann.

Über 90 % der Opfer von Stalking, die bei der Polizei oder anderen Stellen Hilfe suchen, sind weiblich und rund 85 % der Täter sind Männer. 91 % der weiblichen Opfer werden von Männern gestalkt und 56 % der männlichen von Frauen. In den übrigen Fällen handelt es sich um ein gleichgeschlechtliches Stalking.[16] Nach einer Studie im Auftrag des Justizministeriums der Vereinigten Staaten wurden 8 % der Frauen und 2 % der Männer im Laufe ihres Lebens schon einmal von einem Stalker verfolgt.[17]

Bei der Interpretation dieser Zahlen sind jedoch die Schwierigkeiten der empirischen Erfassung des Tatgeschehens zu berücksichtigen: Es fehlt an einer einheitlichen Definition des Stalking-Begriffes. Waren die Beteiligten durch eine Beziehung miteinander verbunden, fällt es den Opfern erfahrungsgemäß schwer, sich offen darüber zu äußern.

Psychologische Einteilung der Täter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die australischen Wissenschaftler Mullen, Pathe und Purcell teilen die Stalker in sechs Gruppen ein, ausgehend von deren Motivation und Beziehungsverhältnis:[18]

GruppeMotivationBeziehungsverhältnis
1Zurückgewiesene StalkerGefühl der Demütigung, Zurückweisung unter anderemmeist Ex-Partner / Freunde
2Beziehungssuchende StalkerFehlwahrnehmungen der Beziehungsbereitschaft des Opfers, häufig LiebeswahnPersönliches und weiteres Umfeld des Opfers
3Intellektuell retardierte StalkerUngenügende Sozialkompetenz, überschreiten GrenzenPersönliches und weiteres Umfeld (Nachbarschaft)
4Rachsüchtige Stalkersehen sich durch ihre gestörte Persönlichkeit fälschlicherweise selbst als Opfer oder bilden sich ein, Opfer der Personen zu sein, denen sie nachstellen; Hilfe, die sie bekommen, nutzen sie zur fortgesetzten Rache und Befriedigung aus.temporäres Umfeld (beispielsweise Arzt oder Rechtsanwalt als Opfer, jedermann im Umfeld des Opfers)
5Erotomane, morbide, krankhafte StalkerKontrolle/Dominanz – meist psychopathische PersönlichkeitPersönliches und weiteres Umfeld (Nachbarschaft)
6Sadistische StalkerGefühl der BefriedigungPersönliches und weiteres Umfeld

Gesundheitliche und soziale Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Großteil der Opfer leidet unter vegetativen Erscheinungen, wie etwa Unruhe (Schreckhaftigkeit), KopfschmerzenAngstsymptomenSchlafstörungen und Magenbeschwerden und der daraus resultierenden geistigen und körperlichen Erschöpfung. Viele sind schnell gereizt und reagieren dann situationsbedingt unbegründet aggressiv. Ein nicht geringer Teil der Opfer leidet unter depressiven Verstimmungen, einige darunter unter Depressionen. Allerdings ist unsicher, inwieweit psychisch vorbelastete Personen zwischenmenschlich vollkommen normales Verhalten eventuell schon als Stalking empfinden.

Vor allem bei Opfern, denen aufgelauert wird oder die körperlich verfolgt werden, zeigen sich rasch tendenziell reaktive Verhaltensmuster, wie etwa Vermeidungsverhalten, Abkapselung (Vereinsamung) oder Kontrollverhalten. So, wie der Täter auf sein Opfer fixiert ist, ist durch die als lästig und als unberechenbare Bedrohung empfundene Situation auch das Opfer auf den Stalker fixiert.

Nach langer und intensiver Verfolgung kann in seltenen Fällen eine posttraumatische Belastungsstörung auftreten, vergleichbar mit einem Trauma bei Soldaten nach unmenschlichen Kriegserlebnissen, die diese psychisch nicht verarbeiten konnten.

Um den gesundheitlichen und sozialen Folgen des Stalkings gezielt entgegenwirken zu können, ist es empfehlenswert, sich frühzeitig helfen zu lassen.

Am 23. April 2008 hat in Berlin die erste Beratungsstelle für Stalker ihren Betrieb aufgenommen.[19]

Fallzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Polizeilichen Kriminalstatistik zeigt eine Opfergefährdungszahl in den Jahren 2008 bis 2019 im Bereich von 24-38 je 100.000 Einwohner/Jahr für § 238 StGB.[20] Im gleichen Zeitraum gab es 19.000-32.000 Opfer/Jahr, davon 9.000-12.000 Täter-Opfer-Beziehungen aus dem Bereich Verwandtschaft, Familie, Ehe, Partnerschaft, Angehörige, bei 4.000-8.000 Opfern/Jahr gab es keine geklärte Vorbeziehung zwischen Täter und Opfer.[21]

2019 gab es 576 Abgeurteilte, davon 80 Frauen,[22] in 88 Fällen wurde zu einer Freiheitsstrafe verurteilt, davon 20 ohne Bewährung,[23] 12 Freiheitsstrafen überschritten ein Jahr, davon 6 ohne Bewährung.[24][25] 2011 gab es 350, 2013 236 Verurteilungen.

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 2008 wurde von der Universität Wien eine Studie (Stieger, Burger, Schild, 2008) durchgeführt, in der 11 % der Teilnehmer im Laufe ihres bisherigen Lebens als Stalkingopfer identifiziert werden konnten.[26][27]

Weitere Ergebnisse der Studie: Die Stalkingopfer bestanden hauptsächlich aus Frauen (86 %), die Stalker jedoch aus Männern (81 %). Frauen wurden in den meisten Fällen von Männern gestalkt (88 %). Männer hingegen wurden fast zu gleichen Teilen von Männern und Frauen gestalkt (60 % männliche Stalker). 19 % der Stalkingopfer gaben an, dass sie zum Zeitpunkt der Studie noch immer gestalkt wurden, was einer Punktprävalenzrate von 2 % entspricht. 70 % der Stalkingopfer kannten den Täter, der in 40 % der Fällen ein früherer Intimpartner war, in 23 % ein Freund oder Bekannter und in 13 % ein Kollege. Als Konsequenz auf das Stalking gaben 72 % der Opfer an, dass sie ihren Lebensstil geändert haben. 52 % aller Stalkingopfer hatten bezüglich ihres psychologischen Wohlbefindens Werte im pathologischen Bereich. Bei einem Vergleich der Anzahl der Stalkingfälle im ländlichen und im städtischen Bereich gab es keine signifikanten Unterschiede.

USA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Angaben des Justizministeriums der Vereinigten Staaten werden jährlich 1.006.970 Frauen und 370.990 Männer gestalkt. 77 % der weiblichen und 64 % der männlichen Opfer kennen ihren Stalker. 87 % der Stalker sind Männer und 78 % der Opfer sind Frauen.[17]

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Stalking

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Baustein 5: Was tun bei Mobbing? – Gegenmaßnahmen

Mobbing ist ein sensibles Thema. Wird ein Fall von Mobbing bekannt, sollte umgehend gehandelt werden. Doch was kann man tun? Dieser Baustein zeigt, welche Maßnahmen geeignet sind Mobbing zu beenden oder erst gar nicht entstehen zu lassen.

Was tun bei Mobbing? – Im akuten Fall

Baustein 5 bildet den Abschluss der Befragung und zugleich den Beginn der aktiven Phase. Anknüpfend an die Ergebnisse der Befragung geht es hier entweder darum, einen akuten Mobbingfall zu bearbeiten und zu beenden oder aber darum, präventive Maßnahmen zu ergeifen, um Mobbing in der eigenen Klasse oder aber auch auf Stufen- oder Schulebene vorzubeugen. Im ersten Fall muss die Lehrkraft selbst aktiv werden und sensibel reagieren. Im zweiten Fall ist es möglich, gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern präventiv aktiv zu werden.

Im akuten Fall

Stellt man z.B. aufgrund der Ergebnisse der Klassen-/Stufenbefragung oder aber durch Hinweise aus der Klasse, dem Kollegium oder von anderen beteiligten Personen fest, dass es in der Klasse einen oder mehrere Mobbingfälle gibt, stellt sich die wichtige Frage: Was kann ich als Lehrer/in tun, um dem Opfer zu helfen und um das Mobbing dauerhaft zu beenden? Aber auch im Hinblick auf die Prävention von Mobbing stellt sich die Frage nach geeigneten Gegenmaßnahmen.

Nicht immer jedoch sind gut gemeinte Aktionen auch hilfreich. Welche Maßnahmen zwar gut gemeint sind, sich aber eher negativ auswirken, finden Sie in einer Zusammenstellung in Info 05.02.

Doch es gibt eine Reihe von Maßnahmen, die sich in der Praxis bewährt haben (vgl. die Linkliste der Maßnahmen sowie die Infomaterialien Info 05.03 bis 05.12). Egal, welche Gegenmaßnahmen ergriffen werden, wichtig ist, dass sie langfristig wirksam sind und die Gesamtsituation in der Klasse verbessern.

Klare Grenzen schaffen einen verbindlichen Rahmen für ein gutes Miteinander. (© digitalstock)Folgende Grundsätze sind hilfreich, um eben dies zu erreichen:

  • Wer klare Grenzen setzt und auf Grenzverletzungen angemessen reagiert, schafft einen verbindlichen Rahmen für ein gutes Miteinander. Dies kann zum Beispiel über verbindliche Verhaltensregeln für den Umgang miteinander erreicht werden
  • Bei Konfliktlösungen sollte eine vorwiegend auf Macht beruhende Gewaltausübung unterlassen werden.
  • Auch wenn Grenzen im Notfall mit größerer Deutlichkeit verdeutlicht werden müssen, sind persönliche Verletzungen zu vermeiden (Kommunikationsregeln).
  • Je früher Sie als Lehrer/in intervenieren, desto besser kann verhindert werden, dass das Opfer in seiner Schullaufbahn in der Opferrolle verbleibt.

Maßnahmen auf unterschiedlichen Ebenen

Die Gegenmaßnahmen können auf unterschiedlichen Ebenen angesiedelt sein. Bei einem akuten Mobbingfall sind direkte Maßnahmen in der Klasse unerlässlich. Darüber hinaus sind Maßnahmen auf Schulebene, auf persönlicher Ebene sowie Maßnahmen im Dialog mit den Eltern gerade auch im Hinblick auf die Prävention von Mobbing hilfreich.

  1. Maßnahmen in der Klasse
    Bei einem akuten Fall von Mobbing sind in erster Linie ernsthafte Gespräche sowohl mit den Mobbern als auch mit dem Opfer notwendig Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Maßnahmen für die Klasse, die auch schon präventiv eingesetzt werden können, hierzu zählen u.a. Klassenregeln, positive gemeinsame Aktivitäten im Klassenverbund, häufiges Loben und Motivieren der Schülerinnen und Schüler etc.
  2. Maßnahmen auf Schulebene
    Doch nicht allein in den Klassen ist Aktivität gefragt. Ebenfalls Maßnahmen auf Schulebene können sehr wirksam sein, wenn sie konsequent über längere Zeit durchgeführt werden und sich als feste Institutionen im Schulalltag implementieren. Dazu zählen z.B. die Einführung eines sozialen Kompetenz-Trainings, das Aufstellen von Regeln und Vereinbarungen gegen Mobbing/ Gewalt, Klassenleiterstunden, geschlechtsspezifische Maßnahmen, die sich auf die gesamte Schülerschaft beziehen und neben dem Aspekt des aktiven und akuten Eingreifens auch präventiven Charakter haben. Insgesamt zielen diese Maßnahmen darauf ab, dass die Schülerinnen und Schüler bestimmte Einstellungen zum sozialen Umgang entwickeln und dazu befähigt werden, Bedingungen zu schaffen, die deeskalierend wirken.
    Darüber hinaus ist es sinnvoll, das Kollegium für die Thematik Mobbing zu sensibilisieren und im Umgang mit dem Problem zu schulen. Dazu könnte ein pädagogischer Tag oder eine Fortbildung zur Thematik durchgeführt werden. Wichtig ist zudem ein Austausch und Dialog unter den Kolleg/innen.
    Für das Aufdecken von Mobbingfällen bietet sich eine diagnostische Befragung, bspw. zum Umgang miteinander und evtl. Vorhandensein von Mobbing (vgl. den Fragebogen M 01.03) an. Eingeführte Maßnahmen bei akutem Mobbing oder zur Prävention von Mobbing sollten zudem auf ihre Wirksamkeit hin überprüft und evaluiert werden.
  3. Maßnahmen auf persönlicher Ebene
    Damit Mobbing-Fälle lösungsorientiert bearbeitet werden können, ist ein vertrauensvolles Lehrer-Schüler-Verhältnis unerlässlich. Die Lehrerinnen und Lehrer sollten sich grundsätzlich zuverlässig und vertrauensvoll um die Probleme ihrer Schülerinnen und Schüler kümmern; indem sie z.B. zeigen, dass sie auf die Einhaltung der Regeln achten, Opfer ernst nehmen und zu schützen versuchen, ernstgemeinte Lösungsversuche mit Opfer, Täter(n) und Eltern starten. Vielfach überschneiden sich solche Maßnahmen mit denen auf Klassenebene, da in der Regel die Klassenlehrer/innen für konkrete Fälle ihrer Klasse zuständig sind. Darüber hinaus spricht sich ein positives Lehrerbild, z.B. als Vertrauensperson und wirklicher Helfer, in der Schule herum und zeigt auch den Opfern, die sich aus Distanz-Gründen z.B. nicht an ihre Klassenlehrerin / ihren Klassenlehrer wenden möchten, eine Alternative auf.
  4. Maßnahmen im Dialog mit den Eltern
    Die Schülerschaft stellt die Hauptzielgruppe von Präventionsmaßnahmen gegen Mobbing dar. (© digitalstock)Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Arbeit mit den Eltern der Betroffenen bzw. mit allen Eltern, denn wenn die Eltern darüber informiert sind, welche Ursachen Mobbing und Gewalt begünstigen können und welche Maßnahmen konkret auf Schulebene ergriffen werden, können sie ihre Kinder diesbezüglich stärken und unterstützen. Denkbar sind Eltern-Informationsabende oder gezielte Gesprächsabende mit den Eltern von Opfern und Tätern, die auch als Gruppendiskussion möglich sind. Besonders der Austausch mit „Gleichgesinnten“ kann betroffenen Eltern helfen, die Situation ihrer Kinder, sei es als Opfer oder als Täter, besser zu bewältigen. Ebenso geht es darum, den Eltern konkrete Handlungsoptionen aufzuzeigen, was sie selbst, aber auch ihre Kinder gegen gewalttätige Situationen tun können.

Insgesamt gilt, dass je früher die Schülerschaft als Hauptzielgruppe mit den Maßnahmen zur Gewalt- und Mobbingprävention konfrontiert wird, sich auch die Effizienz dieser Maßnahmen erhöht. Daher sollte der Fokus insbesondere auf die Schülerinnen und Schüler der unteren Klassen gelegt werden, damit sie frühzeitig sozialverträgliche Umgangsweisen erlernen, die den Grundstein für eine gewalt- und mobbingfreie Schulkultur legen.

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Was tun bei Mobbing?

Abschließend erhältst du einige Informationen darüber, wie du etwas gegen Mobbing unternehmen kannst und wer mögliche Ansprechpersonen sind.

Wenn du von Mobbing betroffen sein solltest, dann wende dich an eine dir vertraute Person und sprich mit ihr über die Problematik. Wichtig ist, dass du deine Gefühle, deine Ängste und deine Sorgen ansprichst! Sollte es für dich in Ordnung sein, kannst du auch die Täter_innen direkt ansprechen und ihnen mitteilen, dass eine Grenze überschritten worden ist. Manchmal kann es auch hilfreich sein, ein Tagebuch zu führen, um das Erlebte festzuhalten.

Du kannst dich an folgende Personen wenden

  • Eine dir vertraute Person
  • Eltern oder Erziehungsberechtigte
  • Vertrauens- oder Beratungslehrer_innen
  • SCHUSO – Schulsozialarbeit
  • Schulpsychologie

Cyber-Mobbing

Solltest du von Cyber-Mobbing betroffen sein, wende dich an eine dir vertraute Person. Da manche Handlungen strafrechtliche Folgen haben können, kann es hilfreich sein, wenn du Bilder, Chatverläufe oder andere Dateien sicherst beziehungsweise sie durch Screenshots speicherst. Außerdem kannst du Personen, Beiträge oder Nachrichten, die dir nicht gefallen, bei den Betreiber_innen der Kommunikationsdienste (Facebook, WhatsApp und andere) melden oder blockieren. Wenn du dich nicht so gut auskennst, dann kannst du dich jederzeit an die SCHUSO – Schulsozialarbeit oder andere Helfer_innen wenden.

Gemeinsam gegen Mobbing – erkennen, ansprechen, handeln

Handel!

  • Wenn du mitbekommst, dass jemand gemobbt wird, dann schreite ein
  • Solltest du von Mobbing betroffen sein, wende dich an eine dir vertraute Person
  • Sprich darüber: Meistens kann das Ansprechen bereits der erste Schritt in eine bessere Richtung sein
  • Konflikte kommen vor. Versucht, diese zu lösen, bevor sie überhandnehmen
  • Die Schule und Angebote wie die SCHUSO – Schulsozialarbeit tolerieren keine Form von Gewalt
  • In einer positiven Klassengemeinschaft geht es allen besser
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Pornographische Darstellungen Minderjähriger

Pornographische Darstellungen Minderjähriger
§ 207a StGB

Im Zusammenhang mit Cyber-Mobbing kann es vorkommen, dass intime Fotos oder Videos, auf denen unter Umständen sexuelle Handlungen zu sehen sind, via Smartphone hochgeladen und/oder weitergeschickt werden. Und zwar ohne die Einwilligung der abgebildeten Personen.

Bilder von geschlechtlichen Handlungen, in denen Minderjährige (das 18. Lebensjahr wurde noch nicht vollendet) involviert sind, werden als Kinderpornografie bezeichnet. Handelt es sich um ein kinderpornografisches Bild, ist jede Handlung, die damit verbunden ist, verboten. Verboten sind das wissentliche Zugreifen darauf im Internet, das Herstellen, das Anbieten, das (sich) Verschaffen, das Überlassen, das Vorführen, das Besitzen oder sonstige Beschaffung von Kinderpornografie.

Achtung: Seit dem 01.01.2016 ist das einvernehmliche Tauschen von eigenen pornografischen Fotos oder Videos zwischen zwei Jugendlichen ab 14 Jahren straffrei. Allerdings ist es Jugendlichen weiterhin verboten, solche Aufnahmen an Dritte weiterzuleiten,

Solltest du intime Fotos von dir verschicken, dann sei dir bitte bewusst, dass sich einmal veröffentlichte Bilder sehr schnell und unkontrolliert verbreiten können.

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Rechtliche Informationen

Sobald du 14 Jahre alt bist, bist du strafmündig. Strafmündigkeit heißt, dass bestimmte Handlungen rechtliche Konsequenzen – Geld- oder Haftstrafen – haben können. Solltest du noch nicht strafmündig sein, können deine Handlungen trotzdem Konsequenzen haben: Deine Eltern oder Erziehungsberechtigten können dazu verpflichtet werden, Schadenersatz zu leisten, wenn sie ihre Aufsichtspflicht verletzt haben. In den folgenden Absätzen lernst du einige Paragrafen kennen, die für dich bei Mobbing relevant sein können. Bei den Paragrafen handelt es sich um Beispiele und nicht um eine vollständige Aufzählung.

Körperverletzung
§ 83 StGB

Körperverletzung bedeutet, dass jemand den Körper einer anderen Person verletzt.

Die Strafen hängen von dem Ausmaß der Verletzung(en) ab. Mobbing hängt häufig mit körperlicher (auch psychischer) Gewalt zusammen.

Gefährliche Drohung
§ 107 StGB

Gefährliche Drohung bedeutet, dass jemand von einer anderen Person bedroht und in Angst versetzt wird.

Beispiel: Carlo sagt zu Christian: „Nach der Schule wirst du von meinen großen Brüdern so verprügelt, dass du ins Krankenhaus musst!“

Nötigung
§ 105 StGB

Nötigung bedeutet, dass jemand durch Gewalt oder eine gefährliche Drohung zu etwas gezwungen wird.

Beispiel: In der Pause sagt Christian zu Carlo: „Gib mir dein Pausenbrot oder ich schlage dich!“

Beleidigung
§ 115 StGB

Beleidigung bedeutet, dass jemand öffentlich oder vor mehreren Leuten beschimpft und/oder verspottet wird.

Beispiel: Christian beschimpft Carlo und seine Familie grundlos auf dem Schulhof.

Cyber-Mobbing
§ 107c StGB

Fortgesetzte Belästigung im Wege einer Telekommunikation oder eines Computersystems

Seit dem 01. Jänner 2016 ist Cyber-Mobbing in Österreich ein eigener Straftatbestand. Bitte beachten: Jede Handlung, die in der realen Welt strafbar ist, wird auch in der virtuellen Welt (im Internet) strafrechtlich verfolgt.

Beispiel: Carla hat Carlo sehr gern. Deshalb schickt sie ihm ein Foto, auf dem sie in Unterwäsche zu sehen ist. Carlo schickt das Bild an seine Freunde weiter und sagt ihnen, wie blöd Carla ist. Nun wird sie von ihren Mitschüler_innen ausgelacht. Carla traut sich nicht mehr in die Schule.

Recht am eigenen Bild
§ 78 UrhG

Das Recht am eigenen Bild bedeutet, dass jede Person selbst bestimmten darf, ob seine bzw. ihre Bilder veröffentlicht werden dürfen.

Wird ein persönliches Bild unerlaubt veröffentlicht, kann dieses Recht eingefordert werden.

Beispiel: Carla macht ein Foto von Carlo und lädt es bei Instagram hoch. Carlo will das nicht und fordert Carla deshalb dazu auf, das Foto zu löschen. Wenn Carla das nicht macht, kann es zu einer Anzeige oder eine Klage kommen.

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